Zwischen Science-Fiction, Horror und der Angst vor dem Unbekannten
Stephen King wird oft mit klassischen Horrorromanen wie Es, Shining oder Friedhof der Kuscheltiere in Verbindung gebracht. Doch mit „Das Monstrum – Tommyknockers“ (The Tommyknockers) wagte er 1987 einen Ausflug in die Welt der Science-Fiction, ohne dabei seine typischen Elemente des psychologischen Horrors aufzugeben.
Der Roman wurde 1988 auf Deutsch veröffentlicht und später als Fernseh-Miniserie unter dem Titel „Tommyknockers – Das Monstrum“ verfilmt.
Die Handlung des Romans
Die Geschichte spielt in der Kleinstadt Haven im US-Bundesstaat Maine, einem Schauplatz, der typisch für Stephen Kings Werk ist. Die Schriftstellerin Bobbi Anderson entdeckt auf ihrem Grundstück ein seltsames Metallobjekt, das sich schließlich als außerirdisches Raumschiff entpuppt. Getrieben von Neugier beginnt sie, das Objekt auszugraben. Schon bald verändert sich nicht nur ihr eigenes Verhalten, sondern auch das der übrigen Bewohner von Haven.
Die Menschen entwickeln außergewöhnliche Fähigkeiten und technische Genialität. Gleichzeitig verlieren sie jedoch zunehmend ihre Menschlichkeit. Der einzige, der weitgehend gegen den Einfluss des Raumschiffs immun ist, ist Bobbis ehemaliger Lebensgefährte Jim Gardener. Während die Stadt immer stärker unter die Kontrolle einer fremden Macht gerät, erkennt er die Gefahr und versucht, die Katastrophe aufzuhalten.
Themen und Bedeutung
„Das Monstrum“ verbindet mehrere Genres miteinander. Der Roman ist gleichermaßen Horror-, Science-Fiction- und Gesellschaftsroman. Im Mittelpunkt steht die Frage, was Menschen bereit sind für Wissen, Fortschritt und Macht zu opfern. King beschreibt eindringlich, wie die Bewohner Havens zwar intelligenter und technologisch leistungsfähiger werden, dabei aber ihre Empathie und Individualität verlieren. Die eigentliche Bedrohung sind somit nicht die Außerirdischen selbst, sondern die schleichende Entmenschlichung der Gesellschaft.
Viele Leser sehen darin eine Kritik an blindem Fortschrittsglauben und dem Verlust persönlicher Freiheit. Gerade deshalb wirkt die Geschichte auch heute noch erstaunlich aktuell.
Die Verfilmung: „Tommyknockers – Das Monstrum“ (1993)
Im Jahr 1993 wurde der Roman als zweiteilige Fernseh-Miniserie unter der Regie von John Power verfilmt. Die Hauptrollen übernahmen Marg Helgenberger als Bobbi Anderson und Jimmy Smits als Jim Gardener. Das Drehbuch schrieb Lawrence D. Cohen, der bereits an anderen Stephen-King-Adaptionen beteiligt war. Die Verfilmung folgt den Grundzügen der Romanhandlung, konzentriert sich jedoch stärker auf die äußeren Horror- und Science-Fiction-Elemente.
Aufgrund der enormen Länge und Komplexität des Buches mussten zahlreiche Nebenhandlungen und Figuren gestrichen oder vereinfacht werden.
Buch und Film im Vergleich
Wie viele Stephen-King-Verfilmungen steht auch „Tommyknockers – Das Monstrum“ vor dem Problem, einer sehr umfangreichen literarischen Vorlage gerecht zu werden. Während der Roman tief in die Psyche seiner Figuren eintaucht und die langsame Transformation der gesamten Stadt schildert, konzentriert sich die Miniserie stärker auf die Handlung und die sichtbaren Effekte der außerirdischen Bedrohung. Dadurch gelingt es dem Buch deutlich besser, die Atmosphäre von Paranoia und schleichendem Kontrollverlust zu erzeugen. Die Verfilmung punktet hingegen mit ihrer visuellen Darstellung der geheimnisvollen Ereignisse und macht die Geschichte für Zuschauer zugänglicher, die sich nicht durch einen mehrere hundert Seiten starken Roman arbeiten möchten.
Das Monstrum“ gehört vielleicht nicht zu den bekanntesten Werken Stephen Kings, ist jedoch eines seiner ungewöhnlichsten. Die Mischung aus Kleinstadt-Horror, Science-Fiction und Gesellschaftskritik macht den Roman zu einem faszinierenden Leseerlebnis. Die Verfilmung von 1993 kann die Tiefe der Vorlage zwar nicht vollständig erreichen, bietet aber eine interessante und atmosphärische Umsetzung der Grundidee.
Für Fans von Stephen King, die einmal eine andere Seite des Autors entdecken möchten, sind sowohl der Roman als auch die Verfilmung eine spannende Reise in eine Welt, in der Fortschritt und Zerstörung erschreckend nah beieinanderliegen.
