Scratch – Programmieren für Einsteiger

Minimalistische 8-Bit-Pixelgrafik, die Scratch-Programmierung für Anfänger visualisiert: abstrakte Block-Elemente und einfache Pixel-Formen stehen für spielerisches, kreatives Lernen von Programmierlogik.

Ein visuelles Lernabenteuer in die Welt der Programmierlogik

Dieser Guide begleitet dich von den ersten Klicks bis zum eigenen interaktiven Spiel – ohne Vorkenntnisse, ohne Frust, aber mit viel Kreativität und Aha-Momenten.

1) Was ist Scratch?

Scratch wurde vom MIT entwickelt und ist eine blockbasierte, visuelle Programmiersprache. Sie erlaubt es, Programmierlogik zu verstehen, ohne eine klassische Syntax zu lernen. Das bedeutet: Statt komplizierten Code zu schreiben, werden Befehle als farbige Blöcke zusammengesetzt – wie bei einem Puzzle.

Scratch eignet sich besonders für Einsteiger, weil:

  • Logik direkt sichtbar ist
  • Fehler leicht erkennbar sind
  • Projekte kreativ gestaltet werden können
  • Motivation durch schnelle Ergebnisse entsteht
  • Komplexe Konzepte spielerisch vermittelt werden

Scratch vermittelt wichtige Grundkonzepte wie:

  • Ereignissteuerung (Events)
  • Schleifen (Loops)
  • Bedingungen (If/Else)
  • Variablen
  • Nachrichten zwischen Objekten
  • Animationen & Soundsteuerung

Was viele nicht wissen: Scratch ist nicht nur ein Lernwerkzeug, sondern eine komplette kreative Entwicklungsumgebung. Projekte können öffentlich geteilt und verändert („remixt“) werden. So entsteht eine Community-basierte Lernplattform, in der man durch Nachmachen, Verstehen und Weiterentwickeln lernt.

Scratch ist damit vergleichbar mit:

Scratch Klassische Sprachen
Blöcke statt Code Textbasierte Syntax
Logik visuell Logik abstrakt
Fehler tolerant Fehler durch falsche Syntax
Schnelle Ergebnisse Ergebnisse erst nach korrektem Code

Scratch ist also der perfekte Einstieg, um zu lernen:

„Wie denkt ein Programm?“

2) Scratch starten – Online & Offline

Online-Editor nutzen

  1. Öffne die Scratch-Website
  2. Klicke auf „Erstellen“
  3. Starte direkt im Browser
  4. Optional: Konto erstellen zum Speichern & Teilen

Scratch Desktop (Offline-App)

  1. Download der Scratch-App
  2. Installation starten
  3. Ohne Internet programmieren
  4. Assets lokal speichern

Für Einsteiger empfohlen: Starte online, erstelle ein Konto erst, wenn du dein erstes Projekt sichern willst.

3) Die Oberfläche verstehen

Scratch besteht aus 5 Hauptbereichen:

Bereich Funktion
Bühne Hier läuft das fertige Projekt
Sprite-Liste Alle Figuren & Objekte im Projekt
Block-Palette Befehle sortiert nach Themen
Skriptbereich Hier entsteht dein Programm
Tabs (Code/Kostüme/Klänge) Wechsel zwischen Logik, Grafik, Sound

Block-Kategorien erklärt:

  • Bewegung → Position, Drehen, Gleiten
  • Aussehen → Sprechen, Kostüme, Effekte
  • Klänge → Musik, Geräusche, Lautstärke
  • Ereignisse → Auslöser (Start, Klick, Taste)
  • Steuerung → Schleifen & Bedingungen
  • Fühlen → Berührung, Maus, Abstand, Kollision
  • Operatoren → Mathe, Text, Vergleiche
  • Variablen → Werte speichern & anzeigen
  • Meine Blöcke → Eigene Funktionen erstellen

Am Anfang wirken viele Kategorien überwältigend – aber keine Sorge. Du brauchst erst einmal nur 3 davon:

  • Ereignisse
  • Aussehen
  • Bewegung

Der Rest kommt Schritt für Schritt dazu.

4) Erstes Projekt: „Die Katze, die läuft & spricht“

Schritt 1 – Projekt starten

Öffne ein neues Projekt. Die Katze ist bereits dein erster Sprite.

Schritt 2 – Startblock setzen

Ziehe in den Skriptbereich:

Ereignisse → „Wenn grüne Flagge angeklickt“

Schritt 3 – Begrüßung

Aussehen → „sage ‚Hallo‘ für 2 Sekunden“

Ändere den Text auf: „Ich lerne jetzt programmieren!“

Schritt 4 – Bewegung

Bewegung → „gehe 10er Schritt“

Schritt 5 – Schleife

Steuerung → „wiederhole 20 mal“

Packe den Bewegungsblock in die Schleife.

Schritt 6 – Abprallen hinzufügen

Bewegung → „pralle vom Rand ab“

Schritt 7 – Endlosschleife

Ersetze die 20er-Schleife mit:

Steuerung → „wiederhole fortlaufend“

Ergebnis

Die Katze läuft jetzt dauerhaft und prallt am Rand ab. Das ist bereits echte Programmierlogik:

  • Event → Start
  • Loop → Dauer
  • Action → Bewegung
  • Physics → Randkollision

Mini-Übung:

  1. Ändere die Schrittgröße auf 5, 10, 20, 30
  2. Füge einen zweiten „sage“-Block hinzu
  3. Lass die Katze deinen Namen sagen
  4. Teste verschiedene Zeiten

5) Die wichtigsten Konzepte erklärt

5.1 Sequenzen

Programme laufen in einer Reihenfolge. Computer machen nicht „alles gleichzeitig“, sondern Block für Block. In Scratch sieht man das sehr gut: Alles, was du unter einen Startblock hängst, läuft von oben nach unten.

Beispiel:

  • Block 1 → Figur begrüßt dich
  • Block 2 → Figur läuft los
  • Block 3 → Figur spielt einen Sound

Änderst du die Reihenfolge, ändert sich das Verhalten des Programms.

5.2 Schleifen

Schleifen wiederholen Aktionen. Es gibt 2 Arten:

  • Begrenzte Schleifen → „wiederhole 10 mal“
  • Endlosschleifen → „wiederhole fortlaufend“

Schleifen sind wichtig für:

  • Animationen
  • Dauerhafte Bewegungen
  • Spielmechaniken
  • Ständige Abfragen (z. B. Kollisionen)

5.3 Bedingungen

Bedingungen prüfen, ob etwas stimmt. In Scratch:

Steuerung → „Wenn … dann“

Typische Vergleiche:

  • Berührt Sprite etwas?
  • Ist ein Wert größer als X?
  • Wurde eine Taste gedrückt?
  • Hat der Spieler 10 Punkte erreicht?

Beispiel-Logik:

Wenn Spieler den Stern berührt → Punkte erhöhen + Stern neu platzieren

5.4 Variablen

Variablen sind Speicherplätze für Werte. Du kannst sie:

  • Setzen
  • Ändern
  • Anzeigen
  • Vergleichen

Beispiele:

Variable Nutzt man für
Punkte Score im Spiel
Zeit Countdown
Leben Spieler-Gesundheit
Level Spiel-Fortschritt
Name Spieler-Eingabe speichern

5.5 Nachrichten

Sprites können miteinander kommunizieren:

Ereignisse → „sende Nachricht an alle“

Ereignisse → „Wenn ich Nachricht empfange“

Das ist wichtig, um Aktionen zu synchronisieren:

  • Startmenü schließen & Spiel starten
  • Game Over auslösen
  • Level wechseln
  • Mehrere Figuren reagieren lassen

6) Spiel: „Fang den Stern“

Schritt 1 – Spieler hinzufügen

Wähle eine Figur aus, die du mit Pfeiltasten steuerst.

Schritt 2 – Steuerung programmieren

  • Ereignisse → „Wenn Taste Pfeil rechts gedrückt“ → Bewegung → „ändere x um 10“
  • Ereignisse → „Wenn Taste Pfeil links gedrückt“ → „ändere x um -10“
  • Ereignisse → „Wenn Taste Pfeil oben gedrückt“ → „ändere y um 10“
  • Ereignisse → „Wenn Taste Pfeil unten gedrückt“ → „ändere y um -10“

Schritt 3 – Stern hinzufügen

Füge einen Stern-Sprite hinzu.

Schritt 4 – Punkte-Variable anlegen

Variablen → „Punkte“ → für alle Sprites

Beim Spielstart:

Wenn grüne Flagge angeklickt → setze Punkte auf 0

Schritt 5 – Stern einsammeln

Stern-Sprite:

  1. „Wenn grüne Flagge angeklickt → gehe zu Zufallsposition“
  2. Steuerung → „wiederhole fortlaufend“
  3. Steuerung → „Wenn berühre Spieler dann“
  4. Punkte erhöhen
  5. Sound abspielen (optional)
  6. Neue Zufallsposition

Schritt 6 – Timer hinzufügen (optional, aber empfohlen)

Variable: „Zeit“

Beim Start auf 30 setzen und dann pro Sekunde -1 rechnen. Wenn Zeit = 0 → „Game Over“ senden.

Schritt 7 – Game Over Bildschirm

Neuer Sprite → Text: „GAME OVER“

Skript:

  • „Wenn ich Nachricht Game Over empfange → einblenden“
  • „Wenn grüne Flagge angeklickt → verstecken“

Ergebnis

Du hast jetzt ein echtes Spiel gebaut mit:

  • Steuerung
  • Kollisionserkennung
  • Score
  • Zufallslogik
  • (Optional) Timer
  • (Optional) Game Over Screen

Erweiterungs-Übungen:

  1. Füge ein zweites Objekt hinzu, das Punkte abzieht
  2. Lass den Stern sich bewegen
  3. Baue einen „Highscore“
  4. Füge Level hinzu (z. B. 10 Punkte = nächstes Level)
  5. Baue ein Startmenü
  6. Lass Gegner erscheinen

7) Debugging für Anfänger

Debugging bedeutet: Fehler finden und beheben.

Typische Fehler in Scratch:

Problem Lösung
Alles läuft zu schnell „warte 0.1 Sekunden“ einbauen
Punkte steigen doppelt Doppelte Skripte löschen
Figur bleibt hängen Schleifen prüfen
Kollision funktioniert nicht Richtigen Sprite im „berühre“-Block wählen
Game Over erscheint sofort Variable falsch gesetzt → prüfen

Debugging-Methoden:

  • Schritt für Schritt testen
  • Variablen einblenden
  • Test-Ausgaben nutzen („sage Debug-Text“)
  • Logik vereinfachen und langsam erweitern

8) Projekt-Ideen

Idee 1 – Interaktive Geschichte

Erzähle eine Story, in der der Nutzer mit Tasten Entscheidungen trifft. Nutze „Nachrichten“, um Szenen zu wechseln. Baue mehrere Hintergründe und Figuren, die je nach Story-Pfad reagieren.

Idee 2 – Jump’n’Run

Baue Plattformen, Schwerkraft, Springlogik und Gegner. Nutze Variablen für Leben und Level. Lass die Figur am Rand abprallen oder Level verlassen.

Idee 3 – Quiz

Stelle Fragen, speichere Antworten in Variablen, prüfe mit Bedingungen, vergebe Punkte. Zeige am Ende ein Ergebnis.

Idee 4 – Musik-App

Jede Taste spielt einen Sound, während sich die Bühne oder Figur visuell verändert.

Idee 5 – Zeichen-Programm

Aktiviere die „Stift“-Erweiterung, steuere mit Maus oder Tasten, ändere Stiftdicke, Farben, Löschen, Speichern.

Idee 6 – 2-Spieler Duell

Ein Spieler nutzt Pfeiltasten, der andere WASD. Wer sammelt mehr Objekte?

Idee 7 – KI-ähnlicher Sprite

Lass einen Sprite zufällig reagieren, Fragen stellen oder auf Spieler-Aktionen antworten.

9) Didaktische Tipps

Motivation steigern

  • Schnelle Erfolgserlebnisse
  • Eigene Figuren zeichnen lassen
  • Lieblingssounds einbauen
  • Community-Remixe zeigen

Lernlogik

  1. Oberfläche kennenlernen
  2. Figur bewegen
  3. Figur sprechen lassen
  4. Schleifen nutzen
  5. Kollision testen
  6. Variablen einsetzen
  7. Spiel bauen

Für Lehrkräfte

  • Erst erklären, dann vormachen, dann machen lassen
  • Debugging nicht vermeiden – zeigen, wie es geht
  • Logik über Code stellen
  • In Etappen arbeiten

Viel Spaß beim Coden!

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