Wer wie ich Jahrgang 1976 ist, kam in den 1980er Jahren an den Masters of the Universe kaum vorbei. Die Figuren von Mattel standen in den Kinderzimmern, die Zeichentrickserie lief im Fernsehen, und He-Man war für viele von uns der Held schlechthin. Als dann 1987 endlich ein Realfilm angekündigt wurde, war die Vorfreude riesig.
Und dann kam die Ernüchterung.
Endlich He-Man auf der großen Leinwand
Damals war es eigentlich egal, dass die ersten Bilder aus dem Film nicht besonders nach Eternia aussahen. Hauptsache, es gab einen echten He-Man. Allein die Vorstellung, dass man die Helden und Schurken aus der Spielzeugkiste plötzlich als echte Menschen auf der Leinwand sehen konnte, war unglaublich.
Mit Dolph Lundgren hatte man zudem einen Schauspieler gefunden, der optisch perfekt in die Rolle passte. Groß, muskulös und mit einer beeindruckenden Präsenz verkörperte er He-Man so, wie wir ihn uns damals vorgestellt hatten.
Zu wenig Eternia, zu viel Erde
Mein größter Kritikpunkt damals wie heute: Der Film spielt viel zu wenig auf Eternia.
Natürlich wusste ich als Kind nichts von Produktionsbudgets. Heute weiß man, dass die Produzenten Geld sparen mussten und deshalb große Teile der Handlung auf der Erde stattfinden. Als Kind war mir das egal. Ich wollte die Königspaläste Eternias sehen, den geheimnisvollen Wald, Snake Mountain und all die Orte, die ich aus der Zeichentrickserie kannte.
Stattdessen landeten He-Man und seine Freunde in einer amerikanischen Kleinstadt.
Für einen Science-Fiction-Film war das durchaus unterhaltsam. Für einen Masters-of-the-Universe-Film fühlte es sich aber oft wie eine vertane Chance an.
Wo waren Orko und Battle Cat?
Noch schwerer wog für mich das Fehlen einiger wichtiger Figuren.
- Kein Orko
- Kein Battle Cat
- Kein Man-At-Arms in seiner klassischen Erscheinung
- Kein Teela-Look wie aus der Zeichentrickserie
Natürlich gab es dafür technische und finanzielle Gründe. Einen fliegenden Orko oder einen riesigen Battle Cat glaubwürdig auf die Leinwand zu bringen, wäre 1987 vermutlich sehr teuer geworden.
Trotzdem fehlten genau diese Figuren. Sie gehörten für mich einfach zu Masters of the Universe dazu.
Star Wars lässt grüßen
Schon damals hatte ich das Gefühl, dass viele Kostüme, Waffen und Kulissen irgendwie an Star Wars erinnerten.
Die Soldaten Skeletors wirkten wie entfernte Verwandte imperialer Truppen. Die futuristischen Waffen, die metallischen Gänge und die gesamte Optik des Films erinnerten oft eher an Science-Fiction-Welten als an die Mischung aus Fantasy und Science Fiction, die Masters of the Universe eigentlich ausmachte.
Heute sehe ich das etwas entspannter. Der Film entstand in einer Zeit, in der praktisch jede große Science-Fiction-Produktion unter dem Einfluss von Star Wars stand. Trotzdem bleibt der Eindruck bestehen, dass man sich hier durchaus inspirieren ließ.
Courteney Cox vor Friends
Ein besonderer Pluspunkt war für mich damals Courteney Cox.
Jahre bevor sie durch die Sitcom Friends weltberühmt wurde, spielte sie hier die junge Julie Winston.
Ich mochte ihre Rolle sehr und fand sie schon damals sympathisch. Tatsächlich war sie mir bereits aus der kurzlebigen Science-Fiction-Serie Misfits of Science bekannt, die heute leider fast vergessen ist.
Rückblickend ist es schon erstaunlich, wie viele spätere Stars in diesem Film auftauchten.
Der spätere Voyager-Offizier
Eine weitere interessante Verbindung entdeckte ich erst Jahre später.
Julies Freund Kevin wurde von Robert Duncan McNeill gespielt. Science-Fiction-Fans kennen ihn heute vor allem als Tom Paris aus Star Trek: Voyager.
Als Kind konnte ich natürlich nicht ahnen, dass dieser eher unscheinbare Teenager aus Masters of the Universe später auf einem Raumschiff durchs Delta-Quadranten reisen würde.
Der coole Polizist
Und dann war da noch Detective Lubic.
Gespielt wurde er von James Tolkan, einem Schauspieler, den man damals ständig irgendwo sah.
Die meisten dürften ihn als strengen Schuldirektor Strickland aus Zurück in die Zukunft kennen. Außerdem war er in Top Gun zu sehen.
Seine Rolle als neugieriger Polizist sorgte für einige der sympathischsten Momente des Films. Während viele Figuren eher blass bleiben, bringt Tolkan eine gewisse Wärme und Glaubwürdigkeit mit, die den Film aufwertet.
Der Masters of the Universe-Film von 1987 ist für mich bis heute ein seltsames Stück Kindheit.
Einerseits war ich fasziniert. He-Man, Skeletor, die Schwerter, die Kämpfe und die düstere Atmosphäre wirkten damals großartig. Vor allem Frank Langella liefert als Skeletor eine beeindruckende Vorstellung ab, die bis heute als eine der größten Stärken des Films gilt.
Andererseits war ich enttäuscht. Zu wenig Eternia, zu wenig von dem, was Masters of the Universe für mich ausmachte. Keine zentrale Rolle für die bekannten Zeichentrickfiguren, stattdessen eine Handlung auf der Erde, die sich oft wie ein ganz anderer Film anfühlte.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich den Film bis heute nicht vergessen habe. Er war nie der Masters-of-the-Universe-Film, den ich mir als Kind gewünscht hatte. Aber er war trotzdem ein Abenteuer, das mich begeistert, überrascht und manchmal auch geärgert hat.
Und vielleicht macht gerade diese Mischung aus Faszination und Enttäuschung den Film heute zu einem echten Kultklassiker der 1980er Jahre.
